1. Juni 2014
17. Mai 2014
Langtang Trek: Wo die Zeit still steht
Inmitten des Himalaya Gebirges scheint die Zeit seltsam entrückt. Sie richtet sich nicht nach Stunden oder Minuten. Sie wird nicht an einem Zeiger abgelesen. Ein "In zwei Minuten kommt die U-Bahn, lass uns rennen, weil die nächste kommt erst in sieben!" wäre hier so fehl am Platz wie ein Baum auf dem Mond.
Schmetterlinge paaren sich über mehrere Tage hinweg. Sie kleben dann mit ihren Hinterleibern zusammen und krabbeln gemeinsam durch das Gras. Im Himalaya kannst du zwei Tage Schmetterlingen bei der Paarung zusehen und du hast nicht das Gefühl, gerade Zeit zu verlieren.
Die kleinen buddhistischen Einsiedlerhöfe (Lodges) haben ihre nächsten Nachbarn in einer bis fünf Stunden Fußmarsch Entfernung. Seit Kurzem haben einige mit Solarenergie beheizte Duschen. Ein Projekt das vom Ausland gefördert wurde.
Die meisten Lodges bieten den Wanderern Getränke und Speisen an. Auf Speisekarten, die alle genau gleich aussehen und dasselbe Menü enthalten, weil sie von einer britischen Helferorganisation erstellt wurden. Dann kannst du Porridge oder Pizza oder Chocolate Pancakes bestellen. Die Menschen hier können zum Großteil weder lesen noch schreiben. Das Rechnen, damit sie richtig abkassieren, wurde ihnen mühselig mit Fingern und Strichen von Entwicklungsorganisationen beigebracht, die den Tourismus hier fördern wollen. Wenn die nächste Dorfschule einen Tagesmarsch entfernt ist, kann man nicht zur Schule gehen. Die Kinder lernen hier andere Dinge.
Sie wissen, zu welcher Jahreszeit sie welches Obst und Gemüse finden und was sie damit anstellen können. Wann die Kräuter wachsen und wozu sie gut sind. Sie wissen, wann der Fluss gefährlich wird und wann man auf ihm spielen kann. Etwa: Eine volle Wasserflasche auf einen entfernten Stein stellen und sie mit kleinen Steinchen zum umfallen zu bringen.
Sie können die nepalesische Volkshymne singen. Sie wissen, wie man aus Bambus Körbe flechtet und wo die Affen wohnen. Sie stehen mit der Sonne auf und gehen mit ihren letzten Strahlen ins Bett.
Da es keine Elektrizität gibt, ist nachts alles in tiefes Schwarz getaucht.Wenn es dunkel wird umgibt dich eine so tiefe Finsternis, dass dir bei klarer Nacht die Fülle der Sterne einen Heidenrespekt einjagen kann.
Nicht nur das Zeitgefühl ist hier ein neues, sondern auch die tiefe Ruhe. Obwohl wir in einem Gebirge waren, in dem es nur von Tieren und Insekten wimmelte, in dem alles in Bewegung und lebendig schien, umgab uns eine Ruhe die von allem widerhallte. Wir schienen an einem Ort, an dem es weder Stress noch Hektik oder Anspannung gab. Die Probleme zu Hause, die Dinge über die wir uns täglich aufregten, wirkten hier lächerlich. Und völlig unwichtig.
Jeden Abend bauten wir nach einem langen Tag, an dem wir viele Stunden gewandert sind, unser Zelt auf und jeden morgen bauten wir es ab, packten unsere Rucksäcke und zogen weiter. Wir aßen mit zufriedenen, erschöpften Touristen in den Lodges, während die einheimischen Tour Guides und Schlepper in der Küche um den offenen Ofen saßen und Geschichten in ihrer Sprache erzählten und dabei scharfe Reisgerichte mit den Fingern aßen. Wir hielten uns die Nase auf den warmen Plumpsklos zu und probierten tibetisches Bier. Eine warme, weiße Brühe. Wir hielten nach Pandas Ausschau und freuten uns, wenn wir Affen entdeckten.
Und jeden Morgen zogen wir weiter den Berg hinauf, Richtung Langtan. Anfangs noch aufgeregt plappernd, dann immer ruhiger, bis jeder Stunde um Stunde still vor sich hin lief, mehrere Kilos auf dem schmerzenden Rücken.
Jede Lodge wollte uns Coca Cola anbieten, oder Twix, das die vielen vielen Schlepper täglich zu Fuß auf ihrem Rücken den Berg hoch tragen. Ein Schlepper läuft von morgens bis abends. Er geht los bevor die Sonne aufgeht und kommt an, wenn es bereits Nacht ist. Meistens in völlig ausgelaufenen Plastik-Badelatschen mit mindestens 50 Kilo auf dem Rücken. Die jüngsten Schlepper sind 13, die ältesten vielleicht 30. So gelangen Nahrung, Möbel, Kleidung und Alltagsgegenstände in die entferntesten Winkel der Berge.
Endlich am Ziel. Langtang. Auf 3475 Meter Höhe. Die Luft war dünn, die Einsamkeit greifbar und die Menschen, die hier oben lebten sonderbar scheu. Die meisten mochten keine Fotos. Sie sahen uns an, als die Eindringlinge aus einer anderen Welt, die wir waren. Die ihr Gleichgewicht aus den Fugen bringt. Die für Unruhe in ihre Ordnung sorgen.
Am nächsten morgen drehten wir um, und gingen den ganzen Weg wieder zurück. Langweilig war das nicht. Es schien ein neuer Weg, aus einer neuen Perspektive mit lauter Dingen, die wir noch nie zuvor gesehen haben.
5. März 2014
Bistro 1900 in Charlottenburg
Klein, relativ versteckt in der Knesebeckstraße 76 (einer Seitenstraße des Kurfürstendamms) und urgemütlich ist dieses kleine Café. Es erinnert an eine Mischung aus Omas Wohnzimmer und einer Puppenstube. Die Regale stehen voll mit schönen Tassen und anderem Geschirr, dass man direkt dort kaufen kann und jeder Holztisch ist ein kleines Highlight für sich, weil sie so schön alt und massiv sind.
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| hmmmmm.... lecker |
Besonders bekannt ist das Bistro 1900 für seine selbst gemachten Kuchen, die auch sehr an Omas Backkünste erinnern. Die Portionen sind enorm! (Wenn es geht, teilt euch einen oder esst ihn als Mittagessen!) Es gibt immer eine frische Auswahl, die man sich am besten vorne an der Theke anschaut. Mein Favorit: Der Käsekuchen mit heißem Zwetschgenkompott. Für Tee-Fans gibt es eine große Auswahl an selbst gemachten, großen und vor allem ausgefallenen Tees. Die Preise bewegen sich im gehobeneren Durchschnitt, die aber für die Qualität angemessen sind. Im Frühling und Sommer kann man auch draußen ganz gemütlich sitzen. Da das Café meist sehr voll ist muss man sich gegebenenfalls einen Tisch teilen oder ein bisschen warten. Eine eigene Homepage gibt es leider nicht.
Ab sofort gibt es für alle Kaffee Fans unseren kleinen Berliner Café Guide, in dem wir euch unsere Favoriten vorstellen :)
18. Februar 2014
Auf dem Weg ins Himalaya oder: Wie ich das Fürchten lernte
Zugegeben, der Titel ist ein bisschen polemisch. Daher gleich vorweg, das Himalaya ist kein furchtbarer Ort, ganz im Gegenteil. Es ist herrlich dort. Wenn – und das ist der entscheidende Punkt – man erst einmal dort angekommen ist.
Daher will ich diesen Post mit einem Tipp beginnen: Kommt bloß nicht auf die Idee, ins Himalaya zu gehen wenn gerade Regenzeit ist oder kürzlich war. Denn dann verschlammen große Teile der Wege, Felsbrocken versperren den Weg oder reißen ganze Straßenstücke mit in den Abgrund. Hätten wir das nur mal gewusst... (Würde ich euch diese Geschichte erzählen anstatt zu schreiben, dann würde jetzt ein lang gezogenes Jeeeesssses Mariaaa kommen!)
Meine erste Nahtoderfahrung habe ich in den Mikros des wunderbaren Valparaísos in Chile gemacht. In der ersten Reihe der klapprigen Busse, sozusagen neben dem Busfahrer, der im Leerlauf diesen höllischen Berg runter gebrettert ist und in den Kurven auf die gegenüberliegende Fahrtseite ausweichen musste, laut hupend versteht sich. Aber es soll ja hier nicht um Chile gehen. Ein letzter Vergleich mit Latein-Amerika muss aber noch her halten: Die Death Road in Bolivien wird bekanntlich als die "gefährlichste Straße der Welt" bezeichnet und viele Gringos bekommen einen wilden Kick dabei, sie mit dem Fahrrad zu "bezwingen". Im Vergleich mit den Pisten (es sind keine Straßen!!) im Himalaya, ist die Death Road eine Gute-Nacht-Geschichte für Kleinkinder.
Für 117km von Kathmandu nach Dhunche brauchte unser Lokal-Bus 11 Stunden. Von unten bis oben, und wenn ich oben sage meine ich auch das Dach, war unser bunt bemalter Bus mit Menschen und undefinierbarem Gepäck beladen. Traditionelle nepalesische Jodelmusik, die regelmäßig Wehklängen beinhaltet, dröhnte aus den Lautsprechern direkt neben meinem Sitz und es wackelte so sehr, dass ich mich krampfhaft an der Stuhllehne meines Vordermannes festhalten musste, um nicht wie ein Gummiball hin und her zu hüpfen, während ich immer wieder meinen geflickten Stoffsitz an seinen ursprünglichen Platz rücken musste.
Als uns der Touri-Guide im Hotel in Kathmandu tags zuvor mit hochgezogenen Augenbrauen ansah und nachfragte, ob wir sicher den "Lokal-Bus" nehmen wollen, der für "Western-People" erfahrungsgemäß eine "unerträgliche Zumutung" sei, war ich mir sicher, dass er auf ebendiese Musik und das Rumgewackel anspielte. Das war nun wirklich heftig, aber unerträglich war es nicht und ich dachte mir, was für Luschen diese "Western-People". Ich sollte mich täuschen.
Nach vier Stunden Holperweg fuhren wir geradewegs auf eine steile, drei Meter breite Matschpiste zu, die von kleinen bis mittelgroßen Felsen übersät war. Links fiel ohne jegliche Sicherung Geröll einige hundert Meter tief. Unser Busfahrer fuhr unerschrocken drauf los, schickte immer wieder seinen Sohn und ein paar Mitfahrer mit Schaufeln auf die Straße, um übergroße Felsbrocken zu beseitigen. Was er konnte überfuhr er einfach, wobei der Bus so stark ins Wanken gerat, dass alle Passagiere auf der Seite des Abhangs aufsprangen und sich zu den Leuten auf der Bergseite buchstäblich auf den Schoß setzten, um den Bus vor einem Absturz zu bewahren.
Ich sagte zu dem Mädel neben mir: "Es ist unglaublich, dass diese Busse nicht ständig den Abhang hinunter stürzen!" Sie sah mich belustigt an: "Oh doch, das tun sie relativ oft! Hier schau, die Narbe habe ich mir zugezogen als ich in einem saß der den Hang hinunter fiel. Gott sei dank ist niemand gestorben."
Nach diesem aufschlussreichen Gespräch sprang auch ich bei jeder Abhang-Neigung des Busses wild auf und drückte mich mit aller Gewalt auf die Bergseite. Wenn ich diese Fahrt überlebe, nahm ich mir vor, schicke ich meinem Bruder per sms mein Testament. Ich muss diese Straße schließlich auf dem Rückweg ein zweites Mal passieren.
Daher will ich diesen Post mit einem Tipp beginnen: Kommt bloß nicht auf die Idee, ins Himalaya zu gehen wenn gerade Regenzeit ist oder kürzlich war. Denn dann verschlammen große Teile der Wege, Felsbrocken versperren den Weg oder reißen ganze Straßenstücke mit in den Abgrund. Hätten wir das nur mal gewusst... (Würde ich euch diese Geschichte erzählen anstatt zu schreiben, dann würde jetzt ein lang gezogenes Jeeeesssses Mariaaa kommen!)
Meine erste Nahtoderfahrung habe ich in den Mikros des wunderbaren Valparaísos in Chile gemacht. In der ersten Reihe der klapprigen Busse, sozusagen neben dem Busfahrer, der im Leerlauf diesen höllischen Berg runter gebrettert ist und in den Kurven auf die gegenüberliegende Fahrtseite ausweichen musste, laut hupend versteht sich. Aber es soll ja hier nicht um Chile gehen. Ein letzter Vergleich mit Latein-Amerika muss aber noch her halten: Die Death Road in Bolivien wird bekanntlich als die "gefährlichste Straße der Welt" bezeichnet und viele Gringos bekommen einen wilden Kick dabei, sie mit dem Fahrrad zu "bezwingen". Im Vergleich mit den Pisten (es sind keine Straßen!!) im Himalaya, ist die Death Road eine Gute-Nacht-Geschichte für Kleinkinder.
Für 117km von Kathmandu nach Dhunche brauchte unser Lokal-Bus 11 Stunden. Von unten bis oben, und wenn ich oben sage meine ich auch das Dach, war unser bunt bemalter Bus mit Menschen und undefinierbarem Gepäck beladen. Traditionelle nepalesische Jodelmusik, die regelmäßig Wehklängen beinhaltet, dröhnte aus den Lautsprechern direkt neben meinem Sitz und es wackelte so sehr, dass ich mich krampfhaft an der Stuhllehne meines Vordermannes festhalten musste, um nicht wie ein Gummiball hin und her zu hüpfen, während ich immer wieder meinen geflickten Stoffsitz an seinen ursprünglichen Platz rücken musste.
Als uns der Touri-Guide im Hotel in Kathmandu tags zuvor mit hochgezogenen Augenbrauen ansah und nachfragte, ob wir sicher den "Lokal-Bus" nehmen wollen, der für "Western-People" erfahrungsgemäß eine "unerträgliche Zumutung" sei, war ich mir sicher, dass er auf ebendiese Musik und das Rumgewackel anspielte. Das war nun wirklich heftig, aber unerträglich war es nicht und ich dachte mir, was für Luschen diese "Western-People". Ich sollte mich täuschen.
Nach vier Stunden Holperweg fuhren wir geradewegs auf eine steile, drei Meter breite Matschpiste zu, die von kleinen bis mittelgroßen Felsen übersät war. Links fiel ohne jegliche Sicherung Geröll einige hundert Meter tief. Unser Busfahrer fuhr unerschrocken drauf los, schickte immer wieder seinen Sohn und ein paar Mitfahrer mit Schaufeln auf die Straße, um übergroße Felsbrocken zu beseitigen. Was er konnte überfuhr er einfach, wobei der Bus so stark ins Wanken gerat, dass alle Passagiere auf der Seite des Abhangs aufsprangen und sich zu den Leuten auf der Bergseite buchstäblich auf den Schoß setzten, um den Bus vor einem Absturz zu bewahren.
Ich sagte zu dem Mädel neben mir: "Es ist unglaublich, dass diese Busse nicht ständig den Abhang hinunter stürzen!" Sie sah mich belustigt an: "Oh doch, das tun sie relativ oft! Hier schau, die Narbe habe ich mir zugezogen als ich in einem saß der den Hang hinunter fiel. Gott sei dank ist niemand gestorben."
Nach diesem aufschlussreichen Gespräch sprang auch ich bei jeder Abhang-Neigung des Busses wild auf und drückte mich mit aller Gewalt auf die Bergseite. Wenn ich diese Fahrt überlebe, nahm ich mir vor, schicke ich meinem Bruder per sms mein Testament. Ich muss diese Straße schließlich auf dem Rückweg ein zweites Mal passieren.
| Das erste Mal einen Blick auf die schneebedeckten Berge erhaschen |
| Pinkelpause. Pablos Gesicht sagt schon alles! |
| Es ist kuschelig im Bus |
| Und dann war da noch dieser LKW der im Berg fest hing und einen kleinen Stau verursachte. |
| Aber da auch so etwas eher die Regel als die Ausnahme ist, wissen die Nepalesen schon genau was zu tun ist. Sie rufen den Bagger! Dauert zwar ein bisschen, bis der ankommt, aber dann! |
| Die spektakuläre Rettungsaktion, bei der nicht nur der Bagger, sondern auch die Nepalesen kräftig schoben. |
| Endlich haben wir den Engpass hinter uns gelassen. Die Fahrt kann weiter gehen. |
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